Katzen

Katzen würden Mäuse kaufen …

Das umfangreiche Angebot an Katzenfutter, das im Fachhandel, Lebensmittelgeschäft oder über das Internet erhältlich ist, umfasst eine nahezu unüberschaubare Auswahl an Sorten und Varianten. Die von Samtpfoten geliebte Maus, die natürlichste und artgerechteste Ernährungsform, ist dabei in der von Katzen gewünschten Form (etwas zum Spielen, körperwarm, blutig mit einem Hauch Getreide sowie Spuren von Obst und Gemüse) nicht zu finden. Die Ernährung unserer Stubentiger nimmt in den letzten Jahren einen immer größeren Stellenwert ein, Medien und Internetforen sind voll mit Tipps und Ratschlägen. Nachstehend geben wir einen Überblick über verschiedene Möglichkeiten und aktuelle Trends sowie Tipps von Frau Dr. Stefanie Handl, Fachtierärztin für Ernährung und Diätetik.

Welches Katzenfutter ist das beste?

Das eine beste Futter gibt es nicht, sondern immer nur eines, das auf die aktuelle Situation und für die jeweilige Katze am besten passt. Die Futterentscheidung für Ihre Katze treffen Sie – daher nachfolgend eine Übersicht zu den verschiedenen Ernährungsalternativen.

Alleinfuttermittel – Ergänzungsfuttermittel – Nassfutter – Trockenfutter 

Die Ernährung der Katze sollte möglichst abwechslungsreich und ausgewogen gestaltet werden. Nassfutter ist eine in Dosen oder vakuumverpackten Schalen/Beuteln konservierte Katzenmahlzeit mit Sauce, Gelee oder Paté. Wichtig dabei ist die Deklaration als Alleinfuttermittel. Das Gesetz schreibt vor, dass Futtermittel für Hunde und Katzen entsprechend ihrem Verwendungszweck deklariert werden müssen. Ein „Alleinfutter“ muss alle Nährstoffe enthalten, die das Tier täglich braucht Es gibt Richtlinien für Futtermittelhersteller, welcher Nährstoff in welcher Menge mindestens enthalten sein muss bzw. maximal enthalten sein darf. Diese Richtlinien beruhen auf modernen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen. Ergänzungsfuttermittel sind z. B. reine Fleischdosen, Flocken, Leckerlis und Snacks, die per Definition nicht zur alleinigen Fütterung geeignet sind. Trockenfutter ist eine sehr beliebte Fütterungsart, leicht zu handhaben und lange haltbar. Es besteht aus getrockneten und gepressten Pellets mit geringem Wasser- und oftmals hohem Getreideanteil. Eine ausschließliche Ernährung der Katze mit Trockenfutter ist nicht empfehlenswert. 

Was bedeutet „Premium-Katzenfutter“?

„Premium“ ist kein geschützter Begriff, ein Blick auf die Inhaltsstoffe gibt Aufschluss über die Qualität. Marke, Hersteller und Bezeichnung sind für diese Analyse nicht wichtig. Der wichtigste Anhaltspunkt für eine gesunde und sehr hochwertige Ernährung ist die Liste der Inhaltsstoffe und die analytische Zusammensetzung. Einen Blick auf den Inhalt von Dose oder Beutel sollte jeder Katzenbesitzer immer vornehmen, um seinen kleinen Liebling wirklich mit dem für ihn besten Futter zu versorgen. Ein gutes Katzenfutter listet auf dem Etikett alle Zutaten einzeln auf und nutzt keine ungenauen Sammelbegriffe wie z. B. „tierische und pflanzliche Nebenerzeugnisse“.

  • Hoher Fleischanteil: Hochwertiges Katzenfutter besteht zu 60–80 % aus purem (Muskel-)Fleisch und Innereien wie Pansen, Lunge, Leber, Herz und Nieren
  • Die Feuchtigkeit des Futters sollte bei 70 % liegen
  • Hoher Proteingehalt von mindestens 10 %
  • Getreidefrei
  • Möglichst keine Bindemittel wie Gelatine
  • Der Anteil an Rohasche sollte maximal 2 % betragen
  • Niedriger Anteil von maximal 10 % an pflanzlichen Bestandteilen: Katzen können die in Gemüse und Getreide enthaltenen Inhaltsstoffe nicht oder nur teilweise verwerten und verdauen. Dennoch benötigt Ihre Katze ein gewisses Maß an Ballaststoffen, die sie in freier Natur durch Knochen, Fell und Mageninhalt ihrer Beutetiere aufnimmt. Gutes Katzenfutter kann deshalb einen kleineren Anteil an pflanzlichen Zutaten wie gekochten Reis und Kartoffeln oder Gemüsesorten wie Karotten, Kürbis und Zucchini enthalten.
  • Folgende Bestandteile sind in einem hochwertigen Katzenfutter fehl am Platz: Farbstoffe, Lockstoffe, Zucker, Karamell, Soja, Konservierungsmittel, synthetisch hinzugefügte Vitamine, „EG Zusatzstoffe“. 

Auch die Dosierungsempfehlung ist ein guter Anhaltspunkt: Die richtige Menge an Futter pro Portion ist vom Grundumsatz der Katze abhängig. Junge, sehr aktive Katzen brauchen wesentlich mehr Katzenfutter als Katzensenioren. Die Angaben auf den Dosen (ca. 150200g pro Tag bei einer normalen Hauskatze) sind Durchschnittsangaben und dienen zur Orientierung. Ist die Empfehlung höher, dann sind die Proteine im Futter nicht hochwertig genug, die Katze frisst mehr und kann langfristig übergewichtig werden. 

Ob nun einer Samtpfote das Futter zusagt, hängt stark vom Geruch und Geschmack ab. Immer wieder wundern sich Katzenbesitzer, dass ihre erwachsene Katze keinen Fisch mag, wenn dieser zum ersten Mal serviert wird; der Geruch ist für sie fremd und ungewohnt. Die Freigänger unter den Katzen kennen den Geschmack ihrer Beute, selten gehört Thunfisch oder Forelle dazu. 

Samtpfoten sind überaus wählerisch, was letzte Woche noch begeistert gefressen wurde, wird in dieser Woche mit Nichtachtung gestraft. Bei der Fütterung gilt für viele Katzenbesitzer das Prinzip von Versuch und Irrtum.

Eine Vielzahl an hochwertigem Katzennassfutter zu fairen Preisen ist im Handel erhältlich – es lohnt sich, das eine oder andere auszuprobieren. Unsere Favoriten sind aufgrund der genauen Deklarierung und hochwertigen Zusammensetzung MAC’s, Granata Pet, Cat’s Finefood, Leonardo und die in Wurstform verpackte Pussy Deluxe von Fleischeslust. Weshalb einige Hersteller von sehr hochwertigem Katzenfutter für ihre Marke keine große Werbung machen, Produzenten von weniger hochwertigem Futter jedoch umso mehr, könnte ein kleiner Denkanstoß für Katzenbesitzer sein. 

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) führt in unregelmäßigen Abständen Nassfuttertests durch. Über die Qualität der am Markt befindlichen Nassfuttersorten für Katzen kann jedoch ein verzerrtes Bild durch eine einseitige Prüfung entstehen. Ein Futter erfüllt die Bedarfszahlen zwar zu 100 %, aber es wird nicht hinterfragt, mit welchen Rohstoffen diese Maßgaben erreicht werden. Die Qualität und Güte der verwendeten Rohstoffe sollte daher ebenfalls in die festgelegten Kriterien aufgenommen werden. 

Wann ist Spezialfutter erforderlich?

Aufgrund jahrelanger schlechter Ernährung können vermehrt Krankheiten wie Diabetes, Lebererkrankungen, Harnsteine oder Nierenerkrankungen bei der Katze auftreten. Spezialfutter (z. B. niedriger Proteingehalt bei Nierenproblemen) darf immer nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt verabreicht werden.

Vegetarisches und veganes Katzenfutter – Finger weg!

Katzen sind „Carnivoren“; d. h. reine Fleischfresser, die pflanzliche Nahrung nicht verwerten können. Eine artgerechte Katzenernährung orientiert sich an den natürlichen Fressgewohnheiten von Katzen in freier Wildbahn. Hierzulande stehen vor allem Nagetiere (Mäuse & Co.) und Vögel auf dem Speiseplan unserer Stubentiger. Eine vegetarische bzw. vegane Ernährung Ihrer Samtpfote führt zu extremen Mangelerscheinungen und ist in Folge tödlich.

BARF – ein Trend, der auch in Katzenhaushalte Einzug nimmt

Was genau bedeutet „barfen“?

BARF stand ursprünglich für „Born-Again Raw Feeders“, also wiedergeborene Rohfütterer. Später wurde „BARF“ im englischen Sprachraum als „Bones And Raw Foods“ übersetzt, also Knochen und rohes Fleisch. Eine eingedeutschte Bezeichnung lautet: „Biologisches Artgerechtes Rohes Futter“ bzw. „Biologisch artgerechte Rohfütterung“.

Das Ernährungskonzept ist der Versuch, der natürlichen Ernährung einer wild lebenden Katze möglichst nahezukommen. Wenn eine Katze ihre Beute frisst, dann tut sie dies mit Haut und Haaren, wodurch sie alle Teile mit allen Nährstoffen frisst. Verfüttert der Katzenbesitzer nur rohes Fleisch an seine Katze, sind benötigte Vitamine und Mineralstoffe nicht ausreichend enthalten. Bei jedem Katzenfutter aus dem Handel sind Vitamine und Mineralstoffe, wie z. B. Taurin, Calcium, Zink, künstlich zugesetzt. Möchten Sie dennoch Ihre Samtpfote mittels BARF ernähren, sind profundes Wissen und eine professionelle Futterberechnung durch eine Ernährungsberaterin unbedingt erforderlich. Sie vermeiden dadurch Mangelerscheinungen und langfristige Gesundheitsschäden bei Ihrer Samtpfote.

INTERVIEW MIT DR. STEFANIE HANDL

Frau Dr. Stefanie Handl, Fachtierärztin für Ernährung und Diätetik, Diplomate ECVCN, sieht das Thema Ernährungsberatung bei Katzen wie folgt: „Sich über richtige Ernährung Gedanken zu machen, ist natürlich immer sinnvoll. Unumgänglich ist eine Ernährungsberatung, wenn man das Futter selbst zubereitet (Kochen/Barfen), damit hier keine Mängel auftreten, und bei Erkrankungen – vor allem, wenn das Diätfutter nicht schmeckt oder nicht vertragen wird.“ 

Frau Dr. Handl, welche Lebensmittel sind für Katzen giftig? „Zwiebel und Knoblauch, Schokolade, Kakao, Kaffee, Energydrinks. Da Katzen heikle Fresser sind, gibt es viel weniger Berichte über Vergiftungen. Man weiß daher nicht, ob Dinge, die für Hunde giftig sind (wie z. B. Weintrauben) es auch für Katzen sind.“

Futtermittelallergie... bei Hunden ein Thema von zunehmender Bedeutung, auch geschürt durch Internetforen und Artikel in Medien. Wie ist die Situation bei Katzen? „Ja, auch bei Katzen sind Allergien und Unverträglichkeiten ein Thema, wenn sie auch seltener vorzukommen scheinen als bei Hunden. Wie Sie richtig sagen, ist das Thema populär, und das Vorkommen wird daher sicher überschätzt, da oft keine wirkliche Diagnose vorliegt. Wer den Verdacht hat, seine Katze könnte an einer Allergie leiden, sollte daher unbedingt zum Tierarzt gehen, und nicht selbst herumprobieren. Andere Ursachen für die Symptome müssen zuerst ausgeschlossen werden.“

BARF bei Katzen – wie sehen Sie diese Entwicklung? „BARF ist nach wie vor ein Modetrend, der leider zum Großteil von medizinischen Laien propagiert wird, daher gibt es sehr viele fehlerhafte Informationen dazu. Als Tierärztin muss ich davor warnen, weil BARF mit einigen gesundheitlichen Risiken verbunden ist – allen voran Nährstoffmängeln und Übertragungen von Krankheitserregern durch rohes Fleisch (Letzteres ist vor allem für den Menschen gefährlich!). Dem stehen keine bekannten Vorteile gegenüber. Wer seine Katze nicht mit Fertigfutter füttern möchte oder kann, dem rate ich, das Fleisch zuzubereiten (kochen oder braten) und unbedingt eine professionelle Berechnung durchführen zu lassen.“

Benötigen Katzen (Freigänger) im Sommer ein anderes Futter als im Winter? Gibt es Zusätze, die gerade in der kalten Jahreszeit die Gesundheit der Freigänger unterstützen?

„Grundsätzlich benötigen Freigänger kein anderes Futter als Stubentiger. Man muss aber bedenken, dass eine Katze wahrscheinlich weniger Kalorien verbrennt, wenn sie nicht raus darf, und sollte daher das Gewicht genau im Auge behalten und ggf. die Futtermenge reduzieren, damit die Katze im Winter nicht zunimmt. Wird eine Katze ausgewogen ernährt, braucht sie keine Futterzusätze. Man kann über Futterzusätze nicht „das Immunsystem stärken“, auch wenn das oft behauptet wird – es funktioniert von Natur aus wunderbar.“

Welchen Tipp geben Sie Katzenbesitzern bei sehr mäkeligen Katzen?

„Ich sage immer Katzen haben die besseren Nerven. Ist die Katze gesund und bei guter Figur, sollte man daher nicht zu rasch auf die Forderungen nach einem anderen Futter eingehen, damit die Katze nicht lernt, ihren Willen durchzusetzen. Anders liegt der Fall natürlich, wenn eine kranke Katze eine Diät braucht hier muss man oft mit Tricks arbeiten wie: Futter anwärmen, aus der Hand füttern, Leberpastete, Schmalz, Fischöl oder andere Leckereien geben.“

Manche Futtermittelhersteller bieten Trockenfutter an, welches auf Rassekatzen (z.B. Maine Coon, Siam, Perser ...) zugeschnitten ist. Wozu dient es?

Diese Futter gehen insofern auf die Eigenheiten unterschiedlicher Rassen ein, als dass z. B. Größe und Form der Kroketten an die Gebissform angepasst sind (vgl. Siam vs. Perser) und dass spezielle Zutaten eingesetzt werden, die die Vorbeugung von rassetypischen Erkrankungen unterstützen sollen.“

Frau Dr. Handl bietet persönliche Beratung und Information über die „FUTTERAMBULANZ“ an. 

Leckerlis und Snacks – eine gesunde Belohnung

Eine ideale getreidefreie Ergänzung zur täglichen Futterration sind z. B. die Katzenkekse von PHILLYS. Durch ihre knusprige Konsistenz leisten sie einen wertvollen Beitrag für die Zahnsteinprophylaxe. Katzensnacks wie Pasten und Tabs gelten als Nahrungsergänzung und unterstützen dank ihrer funktionellen Vorteile das Wohlbefinden und die Gesundheit der Katze. Einige der Snacks fördern die natürliche Verdauung von Haarknäueln im Magen, stärken das Immunsystem, unterstützen ein schönes Fell und gesunde Organe.

Bei Trockenfutter handelt es sich um Futter, dem die Feuchtigkeit entzogen wurde, um es haltbarer zu machen. Katzen, die ganz oder teilweise mit Trockenfutter ernährt werden, müssen immer Zugang zu frischem Wasser haben. In Bezug auf Trockenfutter besteht verstärkt die Gefahr, dass Katzen zu wenig Flüssigkeit aufnehmen, da sie von Natur aus wenig trinken und oftmals zum Trinken animiert werden müssen. Eine Möglichkeit wäre, an mehreren Stellen immer frisches Wasser bereitzustellen. Viele Katzen lieben fließendes Wasser aus dem Wasserhahn, durch dieses werden sie zum Trinken angeregt. Wenn Sie daher nicht stetig den Wasserhahn für Ihre Samtpfote bedienen möchten, ist ein Trinkbrunnen eine tolle Sache. Katzen sind neugierig und lernen spielerisch, dass aus diesem Brunnen getrunken werden kann Eine Auswahl an Volumen und Formen sind im Fachhandel erhältlich wie z. B. der Wasserautomat „Bubble Stream“ von TRIXIE. 

Sollten Sie nun als erfahrener Katzenhalter den Verdacht hegen, dass Ihre Samtpfoten selbst in nicht unerheblichem Maße zum Wachstum des Angebotes an Futtersorten, Leckerlis und deren Herstellerfirmen beiträgt, so kann ich Ihnen nur zustimmen.  


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