Welpen

Das erste Hundejahr

Da haben wir ihn endlich zu Hause, den kleinen Racker, den wir uns schon so lange gewünscht haben. Mit ihm haben wir die allerbesten Ratschläge von Freunden und Bekannten bekommen, die entweder keinen Hund haben oder aber die absoluten Profis in der Hundeerziehung sind, zumal sie „damals auch einen Hund hatten“…

Das kommt Ihnen bekannt vor? Ja, damit sind Sie nicht allein.

Ich möchte Ihnen ein paar Dinge mit auf den Weg geben, die Sie zu einem guten Hundefreund machen können. Die Erziehung unserer Vierbeiner hat sich (gottseidank) gewandelt.
Während vor noch gar nicht allzu langer Zeit Schläge, Tritte, Würgen am Halsband, Hinaussperren in die Kälte, Eintauchen der Nase in die Exkremente und vieles mehr als erzieherische Maßnahmen an der Tagesordnung waren, so ist heute die Hundeerziehung an einem Punkt, der mit viel Verständnis und ohne Quälereien dem feinfühligen Haustier, das der Hund nun einmal ist, eine Richtung weist, die nachhaltig von Erfolg geprägt ist. 

Grundlegend funktioniert das Ganze ziemlich einfach – zumindest, wenn Sie es hier lesen …

In der Praxis – so werden Sie feststellen – gibt es ein paar Hürden. Diese Hürden befinden sich in Ihrer Familie und heißen Kinder, Ehepartner, Oma und Opa usw.

Warum?
Na, weil jeder dieser Menschen seine eigene Auffassung von Konsequenz, Regeln, Verantwortung, Futtermenge, Spieldauer und dergleichen hat.

Während es Sie nervt, wenn der Welpe mit seinen spitzen Zähnen an Ihnen herumkaut, sagt der Opa, dass es doch nicht so schlimm sei, und irgendwie müsse der Kleine doch sein Gebiss und das Spielen trainieren.

Sie beschränken die tägliche Fütterung auf ein sinnvolles Maß, um Ihren Hund gesund und schlank zu halten, und Ihr Ehepartner stopft das arme Tier zu jeder Gelegenheit einfach mit Leckerlis voll.

Sie wissen, dass der Welpe regelmäßig raus muss, um sein Geschäftchen machen zu können, doch Ihre Kinder denken nicht daran.
So oder ähnlich geht es in vielen Haushalten zu, die mich dann zu Hilfe rufen.

Wir werden jetzt erst einmal eine Basis schaffen, auf der Sie und die Familie aufbauen können.

Fangen wir einmal ganz von vorne an. Ihr neues Familienmitglied ist ein denkendes, kleines Wesen, für das Sie die Verantwortung übernommen haben. Ohne Ihre Hilfe und Ihre Liebe kann dieses Wesen nicht überleben. Stellen Sie sich vor: Der Welpe ist weg von seiner Mutter, seinen Geschwistern, von den Menschen, die ihm als erstes ein Zuhause gegeben haben. Sie sind nun das Einzige, was er hat.
Deshalb gibt es eine ganz wichtige Leitlinie bei allem, was Sie mit dem Kleinen vorhaben (ähnlich wie bei Ihren Kindern): Wenn man von Ihnen möchte, dass Sie etwas tun, das gegen Ihr „Bauchgefühl“ geht, dann tun Sie das nicht! Und wenn es der größte Hundetrainer aller Zeiten von Ihnen verlangt. NEIN – Sie tun das nicht.

Wenn der Trainer verlangt, dass Sie dem Kleinen ein Zughalsband umlegen, damit er „nicht zieht“, dann stellen Sie sich vor, sie oder Ihre Kinder hätten so ein Halsband um und man würde zuziehen.
„Was du nicht willst, dass man Dir tu, das füg’ auch keinem Andern zu!“ – so lautet die richtige Denkweise.

Neben dem Bauchgefühl ist es wichtig, Konsequenz an den Tag zu legen. Konsequenz bedeutet nicht etwas Schlechtes, so wie wir es meist sehen, z. B. in dem Satz: „Das wird Konsequenzen haben!“, sondern objektiv betrachtet, heißt es nur, dass einem bestimmten Verhalten ein weiteres, immer gleiches folgt. Ihr Hund macht etwas Gutes – die Konsequenz daraus ist, dass er ein Leckerli bekommt.

Wie kann man konsequent sein, ohne zu bestrafen?

Der kleine Hund macht sich immer wieder an Ihren Schuhen zu schaffen, während Sie das nicht wollen. Jetzt könnte man ihn mit bösen Worten und – durchaus etwas forscher – mit den Händen davon überzeugen, dass das unerwünscht ist.
Sie können aber auch – und das wird wirklich von Nachhaltigkeit geprägt sein – eine sinnvolle Alternative anbieten, die dem Hündchen mehr bedeutet, als das, was er gerade tut.

Mit anderen Worten, Alternativen anzubieten, ist immer eine sinnvolle Lösung für auftretende Verhaltensveränderungen.

Ein weiterer wichtiger Punkt, ist der, dass sich alle Familienmitglieder, die ständig mit dem Hund zusammenleben, darauf einigen, den gleichen Sprachschatz zu verwenden.
Unsere Hunde sind sehr intelligent, und wir können Ihnen helfen, diese Intelligenz richtig zu nutzen.
Ein Beispiel: Wir rufen den Kleinen zu uns. Das kann mit einem einfachen „Hier!“ geschehen, aber auch mit „Komm her!“, „Geh halt her!“, „Kommst jetzt her?“, „Bitte, komm jetzt her zu mir!“ und dergleichen. Wenn jeder in der Familie andere Worte benutzt, dann kann der Hund das schon verstehen, aber sehr oft muss er raten, und wenn er falsch rät, dann wird womöglich noch mit ihm geschimpft. Und da stellt sich die Frage, wieso wir dem armen Tier für ein und dieselbe Aufforderung fünf verschiedene Sätze beibringen müssen.

Einigen Sie sich innerhalb der Familie auf einen „Hundewortschatz“, der von allen gleichermaßen genutzt wird.

Des Weiteren wäre es sinnvoll, sich innerhalb der Familie darauf zu verständigen, wer wann die Fütterung übernimmt und wie viel Futter es gibt. Dabei sollten auch die Leckerli-Gaben berücksichtigt werden. Schnell ist auch ein Welpe zu gut genährt, und das ist wiederum schlecht für seine Entwicklung, denn zu viel Gewicht zu tragen ist für die noch weichen Knochen, aber auch für die Sehnen und Bänder sehr belastend.

Es gibt keinen festgelegten Zeitpunkt, wann man genau was mit dem Welpen üben oder trainieren kann. Wichtig ist immer, dass man aufpasst, den jungen Hund weder körperlich noch geistig zu überfordern. 

Alles, was man mit Freude und ohne Zwang machen kann, ist für den Welpen geeignet.

Wir bieten z. B. Mantrailing für unsere späteren Einsatzhunde schon ab der achten Woche an. Die Kleinen haben eine sehr große Freude daran, mit der Nase zu arbeiten. Und damit ihnen die Freude bleibt und es etwas Besonderes ist, hören wir immer nach zwei Übungseinheiten auf – Sie wissen ja; wenn es am schönsten ist, dann sollte man aufhören, weil dann bleibt es immer schön.

Genauso verhält es sich mit dem Welpen und der Umwelt. Nehmen Sie Ihren Hund überallhin mit – in Grenzen versteht sich. Ein Welpe muss nicht auf dem Weihnachtsmarkt am Samstagabend um 19.00 Uhr spazieren geführt werden. Aber am Freitagvormittag, wenn noch nicht allzu viel los ist, kann er sehr gut den Umgang mit unbekannten Dingen lernen.

Wer sagt uns, dass der Spaziergang immer denselben Weg vom Haus und wieder zurück haben muss?

Setzen Sie sich ins Auto und nehmen Sie den kleinen Liebling mit zu einem schönen, abenteuerlichen Ort, an die Fluss-Auen, auf einen kleinen Berg, auf den Trimm-dich-Pfad!

Fahren Sie mit ihm in der U-Bahn, im Bus, mit der Straßenbahn! Gehen Sie mit ihm in Geschäfte, in denen Hunde erlaubt sind! 

Ja, Abenteuer sind angesagt. Und die Abenteuer, die Ihr vierbeiniger Freund mit Ihnen zusammen erleben darf, das sind doch die schönsten.

Sehr schnell werden Sie merken, wann Ihr Hund müde wird oder nicht mehr aufnahmefähig ist. Darauf sollten Sie wirklich achten. 18 Stunden Schlaf sind keine Seltenheit – gönnen Sie diese Zeit dem Welpen.

Sehr bald werden Sie merken, dass das Anbieten von Alternativen bis hin zum Bestehen gemeinsamer Abenteuer, den Welpen so auslastet, dass er die typischen „Unarten“, die man so kennt, gar nicht zeigen muss. 

Ich wünsche Ihnen viel Freude mit Ihrem Hund in einer Zeit, die viel zu schnell vergeht!

Fotocredits

© ingimage.com, shutterstock.com – Icarus66, Eric Isselee


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